Verbraucherbefragung: Norwegen

Norwegen: Verbraucherbefragung zu Geneditierung (CRISPR-Cas)


In Norwegen wurde eine umfassende und detaillierte Verbraucherbefragung zur ► Einstellung gegenüber Anwendungen der Geneditierung in Landwirtschaft und Aquakultur  durchgeführt. Die Befragung erfolgte 2016/2017 und wurde nun veröffentlicht.


Die Verbraucherbefragung hat gezeigt, dass die Mehrheit der norwegischen Verbraucher grundsätzlich Verfahren zur Geneditierung in der norwegischen Landwirtschaft und Aquakultur positiv gegenübersteht. Viele Verbraucher sind jedoch über Risiken besorgt, obwohl sie ein ziemlich hohes Vertrauen haben, dass die von den norwegischen Behörden genehmigten genveränderten Produkte sicher für die Gesundheit und Umwelt sind. Verbraucher wollen neben einer Kennzeichnung, aber auch Informationen über Produkteigenschaften, die ihnen die Auswahl erleichtern. 


  • Norwegische Verbraucher wissen recht viel über gentechnisch veränderte Lebensmittel, aber nur etwa die Hälfte hat bislang etwas von Geneditierung (oft CRISPR genannt) gehört.
  • Die Einstellung der norwegischen Verbraucher gegenüber Anwendungen der Geneditierung hängt vom Zweck und dem Produkt ab, für die es verwendet wird. Die Mehrheit steht dem Einsatz der Geneditierung in der norwegischen Landwirtschaft und Aquakultur für Zwecke positiv gegenüber, von denen angenommen wird, dass den gesellschaftlichen Nutzen und die Nachhaltigkeit fördern: Verringerung des Einsatzes von Pestizide und von Ernteverlusten bei Pflanzen (einschließlich der ökologischen Nahrungsmittelproduktion), Klimaanpassung von Nutzpflanzen, Erhöhung des Nährstoffgehalts in Nutzpflanzen, Erhöhung der Erträge von Nutzpflanzen, Verbesserung der Gesundheit von Tieren und Fischen und Verringerung der Umweltbelastung durch die Aquakulturindustrie. Die meisten Verbraucher sind jedoch negativ eingestellt, wenn es bei Anwendungen der Geneditierung für Zwecke geht, die nicht als von erheblichem Nutzen für die Gesellschaft angesehen werden oder die sich negativ auf den Tierschutz auswirken können, wie z.B. die Veränderung des Aussehens von Tier- und Pflanzenprodukten oder die Verbesserung von Produktionsmerkmalen bei Nutztieren.
  • Die meisten norwegischen Verbraucher befürworten den Einsatz der Geneditierung in der ökologischen Lebensmittelproduktion, wenn dadurch der Anbau von Nutzpflanzen ohne Pestizide möglich ist.
  • Die meisten sind etwas oder sehr besorgt, dass die Geneditierung bei Pflanzen oder Tieren Risiken für die Gesundheit und die Umwelt mit sich bringen könnte.
  • Die Einstellung und das Vertrauen der Verbraucher hängen davon ab, wer hinter der Entwicklung von Produkten steht. Die Verbraucher stehen geneditierten Produkten, die von norwegischen Forschern und Züchtungsunternehmen für den norwegischen Markt entwickelt wurden, positiver gegenüber als solchen, die von internationalen Produzenten für den Weltmarkt entwickelt wurden. 
  • Die Verbraucher haben ein ziemlich hohes Maß an Vertrauen, dass von norwegischen Forschern und Züchtungsunternehmen entwickelte geneditierte Produkte für die Gesellschaft von Nutzen sind und dass sie sicher für Gesundheit und Umwelt sind, wenn sie von den norwegischen Behörden genehmigt wurden.
  • Eine große Mehrheit der Verbraucher hält die Kennzeichnung für wichtig, aber das Etikett sollte auch Informationen darüber enthalten, welche Gentechnik eingesetzt wurde, warum sie verwendet wurde und welches Merkmal verändert wurde.
  • Verbraucher bevorzugen Lebensmittel, die nicht geneditiert wurden, wenn sie unter relativ ähnlichen Produkten auswählen können. Sie sind aber nicht bereit, für nicht geneditierte Lebensmittel sehr viel mehr zu bezahlen. Die Bereitschaft von Verbrauchern, für vorteilhafte geneditierte Lebensmittel, die sie für erachten, mehr zu bezahlen, ist ebenfalls recht gering.
  • Mehr Verbraucher sind der Meinung, dass es unethisch sein könnte, die Geneditierung nicht zur Bewältigung wichtiger gesellschaftlicher Herausforderungen einzusetzen, als diejenigen, die dies nicht tun.
  • Norwegische Verbraucher betrachten Geneditierung und gentechnischen Veränderungen als unnatürlicher als die traditionelle Züchtung, aber sie unterscheiden in Bezug auf die Natürlichkeit nicht zwischen den beiden Arten der Gentechnik Die Wahrnehmung der Natürlichkeit hängt mit der Akzeptanz der Genmanipulation bei Nutzpflanzen und Nutztieren zusammen, und der Wissensstand beeinflusst diese Wahrnehmung.
  • Wissen ist entscheidend für Akzeptanz und Vertrauen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die norwegischen Verbraucher mit dem größten Wissen über Gentechnik und Genetik am positivsten über den Einsatz von Genmanipulation in Landwirtschaft und Aquakultur denken und am meisten Vertrauen in Produktentwickler und Behörden haben, die Produkte genehmigen.

                                                                                                                                                        freie Übersetzung aus der Zusammenfassung

Befragungen können in der Regel nicht direkt verglichen und interpretiert werden, insbesondere wenn die Gruppengröße sehr unterschiedlich ist und die Fragen nicht weitgehend identisch sind. Im Vergleich zu der ► BfR-Verbraucherbefragung  über die Einstellung deutscher Verbraucher zu Anwendungen neuer Züchtungsmethoden in der Landwirtschaft ist gemeinsam, dass

 ● der Kenntnisstand zu den neuen Züchtungsmethoden (Geneditierung) gering ist und

 ● eine Kennzeichnung geneditierter Lebensmittel unbedingt gewünscht wird. 

Während deutsche Verbraucher die Geneditierung bei Pflanzen und Tieren zur Lebensmittelproduktion grundsätzlich ablehnen,  differenzieren norwegische Verbraucher in den Anwendungsbereichen und den Anwendungszielen. Sie stehen einer Reihe von Anwendungen eher positiv gegenüber. 


   ►Norwegian Biotechnology Advisory Board and GENEinnovate:   Norwegian consumers’ attitudes towards the use of gene editing in livestock

and crop plants in Norwegian agriculture and aquaculture.


   ► BfR Abschlussbericht: Durchführung von Fokusgruppen zur Wahrnehmung des Genome Editings (CRISPR/Cas9) 

   ► BfR: Fazit der BfR-Verbraucherkonferenz Genome Editing: Viel Potential, aber klare Regeln erforderlich



   ►Kantar: Repräsentative Bevölkerungsumfrage zum Thema Pflanzenzüchtung 


20.04.20


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